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Zeit im Glück – Glückliche Erinnerungen

Wildkräuter-Kochkurs mit Helga Scmidt
Wildkräuter-Kochkurs mit
Helga Schmidt

Kochen als Erlebnis

Ich koche gerne, ich bin neugierig und vor vielen Jahren entdeckte ich einen Wildkräuter-Kochkurs bei der VHS.

Ich hasse Salat!

Flugs angemeldet und an einem Samstag war es dann so weit. Einen Hauch Skepsis hatte ich schon. Vor meinem inneren Auge sah ich ältere Frauen mit Dutt und Körbchen vor mir, die Kräuter sammelten und hinterher ein 5-Gänge Menü mit nur Salat ! Ich hasse Salat !

Tja und es begann auch recht witzig. In der Tat war die Dame, die schon vor mir am Treffpunkt war etwas älter als ich und hatte einen Korb dabei. Keinen Dutt – zumindest das.

Dann kam zu meinem Erstaunen die Kursleiterin, etwas skurril, aber total witzig und nett. Komplett in lila gekleidet, ich werde es nie vergessen. Von den Schuhen angefangen, über das Uhrenarmband bis hin – ja tatsächlich – Taschentuch, welches sie später benutzte ! Hm – schon merkwürdig.

Mit Schere und Körbchen

Nun war ich schon mal da und so ging es los. Mit Scheren und Körben bewaffnet, gingen wir in eine Grünanlage und dort erklärte sie zu verschiedenen Pflanzen, deren Heilkräfte, wie sie schmecken, wozu man sie nehmen kann. Sehr spannend und sehr kurzweilig.
Zum Glück gab es vorher Rezept-Zettel und ich konnte zu meiner Erleichterung feststellen, dass von den 5 Gängen nur einer Salat war !

Rote Beeren der Eiben

Mein persönliches Highlight war auf dem angrenzenden alten Friedhof (wir ließen nichts aus). Die Kursleiterin ging mit uns zu einer Eibe, pflückte eine rote Beere und steckte sie in den Mund. “Das ist giftig” war mein sofortiger Kommentar. “Stimmt fast” war die Antwort. Giftig ist nur der Kern, das Fruchtfleisch ist durchaus lecker und genießbar, aber es lohnt nicht wirklich diese Beeren zu sammeln, weil die Kerne im Verhältnis zum Fruchtfleisch ziemlich groß ist.

Diese Frau hat echt Ahnung und kannte jeden Grashalm sozusagen mit Namen. Nie blieb sie eine Antwort schuldig.

So lecker

Das anschließende Kochevent war witzig und das Essen so lecker. Von Suppe über Salat, Quiches, Auflauf, Kräuterquark bis hin zum Nachtisch ein Genuss und sehr sättigend. Der Schnaps zu Hause danach war stets gesetzt !

Helga hatte eine echte Fan-Gemeinde

Über die Jahre hatten wir viele dieser Events und man traf oft die gleichen Leute wieder. Helga hatte eine echte Fan-Gemeinde.
Immer wieder bot sie ein neues Programm an und es wurde nie langweilig. Ich war oft erstaunt wie breit ihre Bandbreite war.

Helga Schmidt - Kochen fast zum Nulltarif
Helga Schmidt
Kochen fast zum Nulltarif

Ich liebe ihre Kochbücher und stöbere regelmäßig in Wald und Flur nach leckerem Grünzeug.

Kein Kochkurs mehr in Angebot

Letztes Jahr – oder sind es schon zwei Jahre her – erkrankte sie leider und war eine Weile außer Gefecht.
Mit vielen Kilogramm weniger und doch ziemlich mitgenommen kämpfte sie sich aber zurück.

Nach einem dieser Kurse wollten wir uns mal treffen, aber sie schrieb mir, dass wir verschieben müssen, weil es ihr im Moment nicht so gut ginge.
Auf meine folgenden Mails bekam ich keine Antwort mehr.

Irgendwie verlor ich die Sache aus den Augen und erst jetzt, wo ich mit einer Freundin wieder einen Kochkurs besuche, fiel mir ein, dass ich mal nachfragen könnte, wieso es keine Kurse von ihr gibt.

Leider ist sie im letzten Jahr verstorben und es macht mich wirklich traurig. Nicht, dass wir wirklich befreundet waren, aber diese Frau hat mir so viel Freude gebracht. Wir haben uns in den Kursen königlich amüsiert und köstlich gegessen.

Ich höre noch ihr “köstlich” – sie war von ihren Kursen durchaus überzeugt.

Jetzt wird es, das nicht mehr geben und es ist wirklich ein Verlust !!

Immer noch ein Schmunzeln

Sie ist nicht mehr wirklich unter uns, aber die vielen “Weißt-Du-noch-Geschichten” lassen sie oft sehr präsent sein.
Ich habe ihr, viel Freude und viele glückliche Momente zu verdanken und immer wenn ich ein Kraut zupfe, denke ich an sie.

Ich bin dankbar, sie gekannt zu haben und vergessen, werde ich sie bestimmt nicht.

Es macht mir aber auch wieder einmal klar, wie wichtig es ist, das Leben zu genießen. Und wenn es nur mit einem “köstlichen” Wildkräutersüppchen ist ……….

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